Einen anderen, aber ähnlichen Ansatz zum Thema Rhythmus findet ihr hier.

Hier soll es nicht um eine wirkliche Definition von Rhythmus gehen, sondern um meine persönliche Sicht, über die man sicherlich diskutieren kann.

Rhythmus bedeutet für viele:

Das ist schade, denn eigentlich kommt das Wort Rhythmus wahrscheinlich von rheĩn – fließen1:

Oft haben Schüler Schwierigkeiten mit Rhythmen. Und oft reagieren Lehrer mit zählen, vorrechnen, laut mitklatschen. Aber das ist nur die eine Seite des Rhythmus. Die, die einzelne Schallereignisse voneinander abtrennt. Nicht die, die die Schallereignisse in einen Fluss bringt. Schön wäre es doch, wenn alle Schüler beide Seiten des Rhythmus im Unterricht kennenlernen könnten.

Rhythmus hängt für viele Musikpädagogen sehr eng mit Bewegung zusammen. Das mag daran liegen, dass Rhythmus oft im Körper empfunden wird. Jeder kennt das automatische mitwippen des Fußes, das mit einatmen bei Bläsern oder Schauspielern, wenn man im Publikum sitzt. Seltener wird in unserer Kultur getanzt, aber auch hier spielt Rhythmus mit dem Körper die zentrale Rolle.

Warum aber bringen wir Schülern, die in der Schule noch nicht gelernt haben, mit Brüchen zu rechnen, Rhythmen mit Hilfe von Brüchen bei? Warum setzen wir uns mit unruhigen Kindern still auf den Stuhl und sprechen oder klatschen Rhythmen, anstatt sie ihre Bewegungsenergie in Rhythmen umsetzen zu lehren? Warum arbeiten wir ausschließlich mit Vierteln, Achteln und Halben, wenn Kinder Pop-Songs mit Synkopen und anderen schweren Rhythmen nach Gehör spielen können? Muss man wirklich alles, was man spielen soll, auch lesen können? Warum zählen wir eintönig und laut bis vier, wenn wir eigentlich den Takt als Bogen mit verschieden schweren Betonungen empfinden?

Ich will nicht sagen, dass alle Lehrer diese Methoden nutzen und ich will auch nicht sagen, dass es falsch wäre, sie mal zu benutzen. Aber gerade wenn Menschen unterrichten, die dies noch mit wenig Erfahrung tun und ohne die nötige Unterstützung, kann Rhythmus leicht zur Qual werden, statt zum tragenden Element der Musik, dass einen in (innerliche oder äußerliche) Bewegung versetzen kann.

Oberkapitel: Pädagogik/Musikpädagogik

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1 https://www.duden.de/rechtschreibung/Rhythmus [30.09.2018]