Titelbild Fabelwesen Marialavino

Stimmen der Fabelwesen

Eine Stimme hat (fast) jedes Kind. Aber nicht jedes Kind nutzt das auch das volle Potential der eigenen Stimme und traut sich, sich hörbar zu machen. Die Stimme gezielt einsetzen und modulieren ist die zentrale Aufgabe in dem neuen Material „Stimmen der Fabelwesen“ für die 2.-4. Klasse. Aus einfachen Alltagsgegenständen wird schnell und unkompliziert mit wenigen Materialien ein Fabelwesen. Die Schüler*innen gestalten die Stimme des Fabelwesens, wenn sie für es sprechen. Neben Spielen, in denen die Schüler*innen miteinander sprechen und nur von ihrem Sitznachbar oder ihrer Sitznachbarin gehört werden und sich somit in einer Art Schutzraum befinden, ist es auch Aufgabe, dass sich das Fabelwesen vor der Klasse vorstellt, die Schüler*innen also ihre verstellte Stimme solistisch und hörbar einsetzen müssen. Inspiration gibt dafür das im Material beispielhaft vorgestellte Fabelwesen namens „Marialavino“ sowie eine Liste von verschiedenen Arten, zu sprechen.

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Meine Stimme wird hörbar

Mit der eigenen Stimme laut und deutlich zu sprechen, sich vor einer Gruppe Gehör zu verschaffen, die eigenen Bedürfnisse anzusprechen, sich durch Sprache zu wehren, statt durch Körperlichkeit – all diese Dinge fallen vielen Kindern im Grundschulalter schwer. Mit ihrem selbst gemalten Fabelwesen erhalten sie eine Kunstfigur, für die sie sprechen können. Diese Kunstfigur kann mutiger sein, als man selbst, witziger oder mit besseren Argumenten. Dieser Kunstfigur kann ich Fertigkeiten zusprechen, die ich selbst vielleicht nicht habe. Die Beispielfigur aus dem Material „Marialavino“ hat zum Beispiel große Füße, mit denen sie schnell laufen kann. Außerdem hat es eine übergroße Hand (aber auch nur eine), mit der sie sich sicher gut wehren kann. Ich bin mir sicher, dass sie mit einer quäkigen Stimme spricht. Deshalb kann sie alles sagen, ohne dafür Ärger zu bekommen.

Mädchen hält Fabelwesen

Die Aufgaben in dem Material sind nur ein Einstieg in das Sprechen mit dem Fabelwesen. Die Schülerinnen und Schüler finden schnell selbst den Zugang, für die Kunstfigur zu sprechen und sind dabei sehr kreativ. Dabei entsteht ein freies Rollenspiel, welches mit einer Aufgabe in einem Arbeitsmaterial nicht zu beschreiben ist und oft entwickeln sich so unbelastete Situationen, dass Kinder ihr Rollenbild in der Schulklasse aufgeben, und plötzlich mutig, liebevoll, stark oder laut auftreten, obwohl sie selbst so gar nicht sind. Durch ihr Fabelwesen können sie diese Rolle jedoch unbeschwert ausprobieren.

Mit manchen Gruppen schneide ich die Fabelwesen auch grob aus und klebe sie an einen langen Schaschlikstab. So wird das Wesen zu einer Stabfigur/Stockpuppe, mit der kleine Szenen erfunden werden können. Dazu empfiehlt es sich, von Anfang an auf dickerem Papier zu gestalten.

PS: Ich habe am Anfang geschrieben, „eine Stimme hat (fast) jedes Kind“. Natürlich kann das Material auch in der Arbeit mit gebärdenden Kindern oder Kindern, die sich anders ausdrücken, eingesetzt werden.

Körper sind verschieden

Die Fabelwesen haben, wie ausdrücklich im Material erwähnt, unterschiedlich viele, unterschiedlich große Körperteile und können jede Farbe haben. Geschuppte, mit Fell oder Haut bedeckte Körper können entstehen und warum kann nicht ein Fabelwesen auch Gras auf seinem Kopf wachsen lassen? Die Kinder haben viel Freude daran, diese verschiedenen Körper zu gestalten.

Wenn es in der Klasse Kontakt mit Menschen gibt, deren Körper nicht „klassisch“ aussehen, dann kann dies nach dieser Einheit besprochen werden. Denn gegenüber der Fabelwesen habe ich noch keine Vorurteile von Kindern wegen fehlender oder anders ausgebildeter Körperteile sowie anders geformten Körpern gehört. Allerdings durchaus die Frage „Wie kann der denn sehen ohne Augen? “ oder „Dem fehlt ja der Po!“.

Dies sind für die Kinder ehrlich gemeinte Fragen, die Kinder (und teilweise auch Erwachsene) auch an Menschen mit für sie ungewöhnlichen Körpern haben. Und diese dürfen auch ehrlich beantwortet werden. Was nicht geschehen darf, ist eine Abwertung des Fabelwesenkörpers. Das stellen die Schüler*innen auch selbst sehr schnell fest, wenn ihr eigenes Fabelwesen abgewertet wird. Und eben diese Einstellung wollen wir natürlich auch allen Menschen entgegenbringen und können sie in unseren Alltag integrieren.

fotografierte Anleitung statt lesen

Bilderanleitung

Das Projekt „Stimmen der Fabelwesen“ ist ohne lesen durchführbar und eignet sich daher auch für Gruppen mit Deutsch als Zweitsprache oder Kindern mit Leseschwierigkeiten. Dafür gibt es eine Fotoanleitung, bei der jeder Schritt als großes Foto ausgedruckt werden kann. Gerade Kinder, die nicht oder nicht in der deutschen Sprache lesen, haben oft Probleme, ihre Stimme zu erheben und für sich einzustehen. Für diese eignet sich das Material besonders, um das Selbstbewusstsein zu fördern.