Wie ist eigentlich Rhythmus entstanden? Es gibt Formen eines musikalischen Pulses, die auf natürliche Weise entstehen und die auch die frühesten Menschen schon kannten. Das sind zum Beispiel der menschliche Puls, der Atem1 aber auch Wellen, die gegen die Küste branden. Zudem wird quasi schon immer rhythmisch gearbeitet. (Versuche einmal, unrhythmisch zu gehen oder Holz zu hacken, dann wirst du merken, dass es viel schwerer ist, als rhythmische Bewegungen zu vollziehen.) Doch wie wurde Rhythmus in der Musik verwendet und wie entwickelte sich der Takt, wie wir ihn heute kennen?

Zu Beginn der Neumen sang man, wie man las, im Sprechrhythmus.2 Lange gab es den Tactus, einen freischwebenden Puls, der jedoch mit unserem Verständnis von Takt nicht zu vergleichen ist.3 Unter Einfluss der Tanzmusik entwickelte sich um etwa 1600 der Akzentstufentakt.4

Was aber ist ein Akzentstufentakt? Akzent bedeutet in diesem Fall Betonung. Also ein Takt mit Betonungen. Und Stufen, weil es nicht nur betont und unbetont gab, sondern auch Stufen dazwischen. Im Mittelalter nutzte man meist Dreiertakte, die wegen der Dreieinigkeit Gottes (Vater, Sohn und Heiliger Geist), als perfekt galt.5

4-4 TaktWir wollen aber erst mal den 4/4-Takt ansehen: Die Eins und die Drei werden betont, die Drei jedoch nicht so stark wie die Eins. Man könnte das zum Beispiel so darstellen, wie ihr es rechts seht.

6-8 TaktSeht euch nun das Betonungsbild des 6/8-Taktes und das des 3/4-Taktes an. In Mathe hat man vor langer Zeit mal gelernt, dass man 6/8 auf 3/4 kürzen kann. In der Musik geht das jedoch nicht. Beim 6/8-Takt zählt man die Achtel und betont die Eins und die Vier. Beim 3/4-Takt zählt man die Viertel 3-4 Taktund betont die Eins stärker als die Zwei und die Drei. Für die Achtel spricht man „und“.

AUFGABE: Falsche Betonung

Nun ja, könnten einige sagen, es ist doch aber völlig egal, wie man betont, das hört doch sowieso kein Mensch. Aber versucht einmal, die verschiedenen Takte zu sprechen und zu klopfen und ihr werdet merken, dass ein Unterschied hörbar ist. Wenn ihr ein Instrument spielt, könnt ihr auch versuchen, dass Stück, das ihr gerade übt „falsch“ zu betonen, indem ihr bei einem 6/8-Takt jede Viertel betont (als wenn es ein 3/4-Takt wäre) oder bei einem 4/4-Takt die Zwei und die Vier betont. Wenn ihr kein Instrument spielt, nehmt einfach ein bekanntes Kinderlied und betont es falsch. (Zum Beispiel: Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein, usw.) Wer so gar nicht singen will, kann das Ganze auch an einem Gedicht testen.

Oberkapitel: Von den Neumen zu moderner Notation, weiterlesen: Neumen – ein Beispiel

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1Mühe, Hansgeorg, Stilkunde der Musik, 1989, S.40

2Wörner, Karl Heinrich, Geschichte der Musik, 1975, S.87

3Wörner, Karl Heinrich, Geschichte der Musik, 1975, S.167

4Duden, Basiswissen Schule – Musik, 2011, S.181

5Schaub, Stefan, Eine kleine Musikgeschichte, 1993, S.31

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