Nun wollen wir uns einmal gemeinsam ein Notenbeispiel ansehen: Dieses recht bekannte Morgenlied („Die güldne Sonne“) wurde im 17. Jahrhundert komponiert, wann diese Noten gedruckt wurden, weiß ich nicht. Die Neumen sehen heutigen Noten aber schon sehr ähnlich. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um die sogenannte Weiße Mensuralnotation. Wie die Taktangaben gemeint sind, kann ich nur vermuten. Man sieht an den Noten, dass jeweils 6/2 einen Takt bilden, teils auch 12/2 zusammengefasst sind. Das „C“, ein offener Halbkreis, steht für einen unperfekten Takt, also einen zweigeteilten. Dies könnte die Unterteilung von 6/2 in 2×3/2 meinen. Die Ziffern scheinen keinen 3/2-Takt nach heutigem Verständnis zu meinen, sondern eine „Proportion“ zu sein, die anzeigt, in welchem Verhältnis Notenwerte verkleinert oder vergrößert werden sollen. Die Taktart ist hier also sehr verwirrend, die genauen Gründe kenne ich auch nicht. Das, was ihr vor dem Halbkreis seht, ist ein Kreuzvorzeichen vor dem f, das Stück ist also in G-Dur notiert. Das Symbol ganz am Beginn der Zeile ist der Notenschlüssel. Hierbei handelt es sich um einen C-Schlüssel. Die weiße Mensuralnotation hat sich unter anderem deshalb entwickelt, weil Tinte teurer wurde und man die Noten deshalb nicht mehr ausfüllte. Ebenso wurde hier wahrscheinlich der Notenschlüssel nicht ausgefüllt. Die vier „Stufen der Leiter“ sind jeweils zu zweit ein Ende des „C“, zwischen ihnen müsste also Farbe sein. Damit umrahmt der C-Schlüssel die untere Linie.

AUFGABE: Neumen lesen

Sucht einmal im Internet oder falls ihr habt in Büchern nach Bildern von alten Handschriften, auf denen ihr Neumen seht. Sicherlich könnt ihr nicht alle lesen, aber vielleicht gelingt es euch mit den Erläuterungen, die ihr in diesem Kapitel (Von den Neumen zu moderner Notation) findet, einiges zu erkennen und in etwa zeitlich einzuordnen. Und vielleicht findet ihr ja auch, wie ich, Sachen, die ihr nicht versteht, die ihr interessant findet. Schreibt gerne, was ihr im Reich der Neumen erlebt in den Rückmeldungsbereich unten.

Oberkapitel: Von den Neumen zu moderner Notation

________________________

Duden, Basiswissen Schule – Musik, 2011, S.178 (auch Bildquelle)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mensuralnotation [26.08.2019]

http://www.classic.kolja-elsaesser.de/theory.htm [26.08.2019]