Im Dialog zu lesen

In einem Benediktinerkloster; 600 nach Christus:

A: Ich bin Bruder Jakobus, Mönch im Benediktinerkloster auf Cassino. Als Mönch hat man kein leichtes Leben: Viele Gebets- und Bibelstunden und nur wenig freie Zeit. Diese Zeit arbeiten wir in den Schreibstuben. Wir Mönche sind ja fast die einzigen, die lesen und schreiben können. Wir schreiben alles mögliche Wissen ab und sammeln es in großen Bibliotheken. Das macht mir sehr viel Spaß. Aber das Singen der Psalmen fällt mir schwer. Benedikt, der Gründer unseres Klosters, hat vorgeschrieben, dass jede Woche alle 150 Psalmen durchgesungen werden sollen.

B: Wer beim Beten eines Psalmes, eines Responsoriums, einer Antiphon oder bei einer Lesung Fehler macht und sich nicht durch Buße dort vor allen verdemütigt, den treffe schwere Strafe, weil er nicht durch Verdemütigung wieder gut machen wollte, was er durch Nachlässigkeit verschuldet hat. Knaben aber werden für derlei Fehler mit Schlägen gezüchtigt.

A: Aber wenn ich mich doch mit meiner ganzen Kraft bemühe und mir die Töne doch nicht merken kann? Ich kann sie ja schließlich nicht aufschreiben.

B: Es fehlt dir an der nötigen Konzentration, Bruder. Der Vorsänger zeigt dir mit seinen Gesten genau an, welchen Ton du zu singen hast.

A: Das stimmt natürlich, aber der Vorsänger zeigt nur das, was er selber gerade singt. Dann ist es für mich aber schon zu spät. Ich müsste vorher wissen, was gleich kommt, so wie bei den Texten.

AUFGABE: Neumen schreiben

Singt liturgische Gesänge und überlegt Euch / lasst Euch von einem Musiklehrer zeigen, mit welchen Gesten ein Vorsänger einem Chor anzeigen kann, was er zu singen hat. Versucht Zeichen zu entwerfen, die dann über dem Text stehen können. Denkt daran, dass sie unserem Bruder Jakobus praktisch helfen sollen. Guckt euch erst danach richtige Neumen an.

Oberkapitel: Von den Neumen zu moderner Notation, weiterlesen: Die ersten Neumen