Da der Unterricht in der Regel nur einmal in der Woche stattfindet, bewerkstelligt der Schüler den größten Teil des Instrument Lernens zu Hause. Der Unterricht muss dies bestmöglich vorbereiten und begleiten. Das bedeutet zum einen, das Üben im Unterricht zu üben und zu motivieren.1

Dazu müssen möglichst klare, aber auch erfüllbare Aufgaben gestellt werden, die innerhalb einer Woche gut zu erledigen sind.2 Auch weiter gedachte Ziele wie Vorspiele, langfristige Übepläne oder gar Wettbewerbe können die Motivation fördern.

Übepläne können sehr verschieden gestaltet sein: Sie können sehr genau vorausplanen, aber auch viele Freiheiten lassen. Sie können ein Pensum vorgeben, bei dem es dem Schüler freigestellt ist, wann er dieses erfüllt. Sie können aber auch dokumentarischen Charakter haben, wie zum Beispiel ein Übetagebuch. Allerdings sollte die Lehrkraft das nicht ausnutzen, um den Schüler in jeder Stunde anzuklagen, wie wenig er geübt hat, sondern das Vertrauen würdigen, dass der Schüler einem mit solcher Dokumentation entgegenbringt, ansonsten werden sich im Übetagebuch sehr bald nur noch geschönte Angaben finden.

Auch wie man übt, muss gelernt werden. Sollen Schüler zu Hause nicht immer nur ihre Stücke von vorne durchspielen, so muss man ihnen Methoden an die Hand geben. Zudem muss der Schüler lernen, selbstkritisch mit seiner Musik umzugehen und ein Klangideal zu entwickeln und zu verfolgen. Das ist kaum möglich, wenn der Lehrer ständig vorgibt, was korrigiert werden muss. Vielmehr sollte er dem Schüler beibringen, sich selbst zu korrigieren, damit dieser dies auch zu Hause nutzen kann.3

Was mir persönlich noch ein wichtiges Thema ist: Die meisten Instrumentalschüler betreiben die Musik als Hobby. Sie nimmt nicht den größten Teil ihrer Zeit ein und das ist auch gut so. Regelmäßiges Üben sollte Grundvoraussetzung für den Unterricht sein. Wenn allerdings viele Klassenarbeiten anstehen, die erste große Liebe sich entwickelt, die Eltern sich trennen oder Opa gestorben ist, steht Üben erst mal im Hintergrund und das kann auch mehrere Wochen andauern, selbst bei Jugendlichen, die ein Musikstudium anstreben oder bei Jugend musiziert aufgetreten sind. Ich persönlich bin der Meinung, dass Musik nicht das Leben beherrschen sollte und in solchen Fällen kein Druck aufgebaut werden sollte.

Oberkapitel: Üben, weiterlesen: Tipps für Eltern

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1Ernst, Anselm: Didaktik des Übens, in: Mahlert, Ulrich (Hrsg.): Handbuch Üben, Wiesbaden, 2007, S.98ff

2Ernst, Anselm: Didaktik des Übens, in: Mahlert, Ulrich (Hrsg.): Handbuch Üben, Wiesbaden, 2007, S.98ff

3Ernst, Anselm: Didaktik des Übens, in: Mahlert, Ulrich (Hrsg.): Handbuch Üben, Wiesbaden, 2007, S.98ff