Spiel zu definieren ist nicht leicht, da es sich wahrscheinlich im Wesentlichen durch die Wahrnehmung der Spielenden definiert. Dies zeigt sich zum Beispiel, wenn Kinder toben und eine Person (oder eines der Kinder) einschreiten muss, sagen muss: „Stopp, das ist kein Spiel mehr.“, weil es gefährlich wird.

Die Definition von Spiel entnehme ich im wesentlichen dem Buch „Die Wirklichkeit des elementaren Musizierens“ von Ruth Schneidewind. Schneidewind wiederum bezieht sich auf den Erziehungswissenschaftler Hans Scheuerl.1

Dieser stellt als Merkmale des Spiels die folgenden sechs Punkte heraus:

1) innere Unendlichkeit: möglichst lange spielen wollen, immer noch einmal spielen wollen

2) Scheinhaftigkeit: Spiel bildet eine zweite Welt, die nicht in die Realität eingreift

3) Geschlossenheit: Spiel braucht einen abgeschlossenen räumlichen und zeitlichen Rahmen2, in dem es stattfindet

4) Freiheit von Absichten: Für den Spieler gibt es nichts als das Spiel, es soll nicht auf etwas anderes einwirken (das bedeutet nicht, dass nicht der Spieleentwickler Absichten hat (siehe pädagogische Spiele))

5) Ambivalenz der Spannung: maßvolle Spannung, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig.

6) Gegenwärtigkeit: Spiel passiert erst im Moment des Spielens, ein ungespieltes Spiel ist keines.

All diese Punkte kann man sicherlich noch näher betrachten, ich möchte mich allerdings hier einmal besonders auf die Freiheit von Absichten beziehen, da sie die Frage stellt, warum wir als Musiklehrer (besonders in der elementaren Musikpädagogik (EMP)) eigentlich Musikspiele spielen. Wenn keine Absicht, wie z.B. Verbesserung des Sozialverhaltens dahintersteckt, warum spielen wir dann eigentlich? Was ist der Erfolg von Spiel und von Musik?

Ruth Schneidewind stellt fest, dass bei den verschiedenen Formen von Spiel der Erfolg unterschiedlich ist. Ein Wettkampfspiel beispielsweise ist erfolgreich abgeschlossen, wenn man gesiegt hat, ebenso ein Glücksspiel (wobei dazu auch sämtliche Gesellschaftsspiele zählen, die von einem Würfel, Kartenglück, etc abhängen). Nur Rollenspiele und Fiktionsspiele3 werden subjektiv beurteilt.4

Laut Gerhard Mantel sei auch bei Musik der Erfolg subjektiv. In seinem Artikel „Ich spiele Cello“, der 2008 in der Zeitschrift Üben und Musizieren erschienen ist, geht er darauf ein, dass jeder bei der Bewertung von Musik unterschiedliche Aspekte betrachtet. Wann Musik also schön oder gelungen ist, wann ein Musiker erfolgreich war, ist keine objektive Entscheidung, gerade deshalb können die Urteile von Jurys bei musikalischen Wettbewerben ja so unterschiedlich ausfallen.

Oberkapitel: Spiel, weiterlesen: Zwischen Spielregel und Spielraum

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1Hans Scheuerl (1919-2004) war Professor der Erziehungswissenschaften in Hamburg, Osnabrück, Erlangen und Frankfurt (Main) und hat sich stark mit dem Thema „Spiel“ auseinandergesetzt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Scheuerl; Stand: 15.01.17)

2Siehe auch Klier

3Rollenspiel und Fiktionsspiel haben in ihren Definitionen große Überschneidungsbereiche. Bei einem Fiktionsspiel wird eine fitkive Situation gespielt, bei einem Rollenspiel übernehmen die Spieler Rollen. Beides trifft z.B. auf Kinderspiele wie Kaufmannsladen oder Vater, Mutter, Kind zu.

4Neben den genannten Spielen gibt es noch Funkttionsspiel und Konstruktionsspiel, die sich meiner Meinung nach allerdings dadurch auszeichnen, dass sie keinen Erfolg haben sondern immer weiter geführt werden können.

Die Literaturangaben findet ihr hier.