Ein weiterer Ort musikalischer Bildung war der schulische Unterricht. Hier wurde wenig reformiert. Die neuen Lehrpläne orientierten sich an den alten, große Neuerungen gab es nicht. Einzige Ausnahme: Der Musikunterricht in Schulen wurde zum „Mittel weltanschaulicher Schulung und Prägung“ im Sinne nationalsozialistischen Ideals erklärt. Musik ist nun kein Randfach mehr, sondern gehört zu den „weltanschaulichen Fächern“.1 Die Musiklehrkräfte profitierten sehr von diesem Wandel: Ihr Ansehen war gesteigert2 und Musik bekam nun durchgehend zwei Wochenstunden Unterricht und Hauptinhalt wurde das Singen eines festgelegten Liederkanons, der den Zusammenhalt stärken sollte. Auch wenn dies nicht offiziell in den Lehrplänen geschrieben stand3, hielten sich viele Lehrer daran, da es ihnen den Schulalltag erleichterte, nur singen zu müssen (im Gegensatz zur Kestenberg-Reform, die sie aufforderte, ihren Musikunterricht nach einer „Pädagogik vom Kinde aus“ zu gestalten.) Erst in der höheren Schule kam zum Liedersingen auch Musikkunde und -lehre dazu.4,5

Insgesamt zeigte sich, dass alle nationalsozialistischen Organisationen sich gerne kulturfreundlich zeigten. Jede Feier sollte mit live gespielter Musik unterlegt werden, um sie wirkungsvoller zu gestalten. Selbst SA und SS hatten eigene Musikeinheiten und die SS führte große Werke von Bach, Brahms und anderen auf. Zudem hatte die SS eine eigene Musikschule, in der sie begabte und zahlende Schüler ab 14 Jahren unterrichten ließ, die mit ihrer Ideologie übereinstimmten und bereit waren, sich für zwölf Jahre zu verpflichten.6

Oberkapitel: Musikpädagogik im Nationalsozialismus, weiterlesen: Orff, Keetman und die Günther-Schule: Wurzeln heutiger EMP

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1Günther, Ulrich: Musikerziehung im Dritten Reich – Ursachen und Folgen, in: Schmidt, Hans-Christian (Hrsg.): Handbuch der Musikpädagogik Band 1 – Geschichte der Musikpädagogik, Kassel, 1986, S.103f

2Ebd., S.121

3Ebd., S.103f

4Ebd., S.108

5Einzige Ausnahme sind die bereits existierenden Musikgymnasien in Bayern, in denen der Unterricht von der Politik kaum beeinflusst und wie gehabt weiter geführt wurde. (Vgl. Ebd., S.105)

6Prieberg, Fred: Musik im NS-Staat, Frankfurt a.M., 1989, S.256-258