Alle Jungen und Mädchen ab 14 Jahren waren verpflichtet, der HJ bzw. dem BDM beizutreten.1 Damit wollte der Staat die Kontrolle über die Bildung aller Jugendlichen sichern. Das betraf auch in der Musik und Musikpädagogik eine Vielzahl von unterschiedlichen Bereichen, die hier aufgrund des Umfangs der Arbeit nur stichwortartig aufgezählt werden können.

Mit dem HJ-Gesetz von 1936 stellte sich die Hitlerjugend auf eine Stufe mit Elternhaus und Schule und definierte ihren Erziehungsanspruch an allen Jugendlichen.2 Außerdem übernahm sie unter anderem den berühmten Thomanerchor in Leipzig.3 Auch die Wiener Sängerknaben wurden vom NS-Staat zu Propagandazwecken eingesetzt.4 Viele namenhafte Künstler engagierten sich auch ehrenamtlich, da sie in der Jugendarbeit die Zukunft der Musik sahen.5 Zudem gab die HJ Kompositionen für die eigenen Ensembles in Auftrag.6 Junge Komponisten schrieben „Feiermusiken“, die in einem einheitlichen „neobarockalen“ Stil gehalten waren und an die „Sing- und Spielmusik“ Hindemiths sowie die zeitgenössische evangelische Kirchenmusik anknüpften.7 Künstler gaben zudem so genannte „Meisterkonzerte“, zu denen der Eintritt einen symbolischen Wert von 30 bis 50 Pfennig kostete, damit jeder sich Konzertbesuche leisten konnte, aber Kultur nicht wertlos wurde. Zu den Konzerten und den dazugehörigen Einführungsveranstaltungen kamen unter anderem Jugendgruppen, die nur zu dem Zweck bestanden, ein Stammpublikum für die Künstler zu bieten.8 Durch dieses vielfältige musikalische Angebot erreichte man sowohl Profi- als auch Laienmusiker sowie Konzertbesucher.

Oberkapitel: Musikpädagogik im Nationalsozialismus, weiterlesen: Schule und andere

________________________

1http://www.verfassungen.de/de/de33-45/hitlerjugend36.htm [17.12.2017]

2Ausgenommen sind jüdische und andere Jugendliche, die dem nationalsozialistischen Menschenbild nicht entsprachen. (Ebd.)

3Günther, Ulrich: Musikerziehung im Dritten Reich – Ursachen und Folgen, in: Schmidt, Hans-Christian (Hrsg.): Handbuch der Musikpädagogik Band 1 – Geschichte der Musikpädagogik, Kassel, 1986, S.98

4http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_W/Wiener_Saengerknaben.xml [06.12.2017]

5Prieberg, Fred: Musik im NS-Staat, Frankfurt a.M., 1989, S.248

6Ebd., S.246

7Günther, Ulrich: Musikerziehung im Dritten Reich – Ursachen und Folgen, in: Schmidt, Hans-Christian (Hrsg.): Handbuch der Musikpädagogik Band 1 – Geschichte der Musikpädagogik, Kassel, 1986, S.117

8Prieberg, Fred: Musik im NS-Staat, Frankfurt a.M., 1989, S.249