Die Musikpädagogik im Nationalsozialismus ist geprägt von Lehrern „alter Schule“, die sich nach den Verunsicherungen durch die Kestenberg-Reformen eine Vereinheitlichung und Vereinfachung wünschen, die ihnen der Nationalsozialismus bietet.

In den Laienensembles von HJ und RJF wird Musik hauptsächlich zu Propagandazwecken genutzt. Die professionelle Musikszene entzieht sich, soweit sie nicht emigriert, in großen Teilen dem Einfluss der Partei und arbeitet, zumindest subjektiv, so weiter wie bisher.1 Ihre Produkte aber, also Konzerte und ähnliches, werden zur Repräsentation genutzt.

Wichtig zu beachten ist: Zeitzeugenberichte der Zeit sind sehr subjektiv gefärbt.2 So berichten zum Beispiel Menschen, die in den sogenannten „Musikeinheiten“ spielten, von einer schönen Zeit3, die viel Zusammenhalt gestiftet habe. Aber auch Literatur bildet nicht ab, wie der Unterricht tatsächlich stattgefunden hat, sondern wie er hätte sein sollen.4

Mit Sicherheit aber kann man sagen, dass das Musizieren in der Zeit des Nationalsozialismus nicht der künstlerischen Ausbildung von interessierten Laien genutzt wurde, sondern zu außermusikalischen Zwecken missbraucht wurde. „Wo man singet, da lass dich ruhig nieder“, ist ein schöner Traum der meisten Musiker und vor allem Musikpädagogen, der aber ein Traum bleiben muss.

Oberkapitel: Musikpädagogik im Nationalsozialismus

_________________________

1Günther, Ulrich: Musikerziehung im Dritten Reich – Ursachen und Folgen, in: Schmidt, Hans-Christian (Hrsg.): Handbuch der Musikpädagogik Band 1 – Geschichte der Musikpädagogik, Kassel, 1986, S.99

2Ebd., S.90

3Ebd., S.98

4Ebd., S.90