Die Bedingungen für Kreativität sind im Musikunterricht nicht ideal. Die Schüler werden beobachtet, im schulischen Kontext teilweise sogar bewertet. Die Aufgabenstellung, die es zu lösen gilt, ist in der Regel durch die Lehrkraft gegeben (extrinsisch motiviert) und muss innerhalb einer bestimmten Zeit gelöst werden. Soll mit Klang gearbeitet werden, so muss entweder in getrennten Räumen gearbeitet werden, um sich gegenseitig nicht zu stören (oft organisatorisch nicht möglich) oder zusammengearbeitet werden, wodurch viele Ideen des Einzelnen verloren gehen. In Gruppen, die sich nur wenig kennen (z.B. auf Workshops) kann die Orientierung an gesellschaftlichen Normen einschränkend wirken.

Andererseits bietet ein gut ausgestatteter Raum und die Begegnung mit anderen Musizierenden die Möglichkeit für vielfältige Erfahrungen, die ein Schüler zu Hause vielleicht nicht machen könnte. Zudem kann das Ende der Unterrichtsstunde auch eine Chance für die Kreativität sein. Der Schüler hat im Unterricht Erfahrungen gemacht und Wissen gesammelt. Zu Hause ist er nun entspannt, das Gehirn kann verknüpfen und neue Ideen entwickeln, die zu Hause oder in der nächsten Musikstunde umgesetzt werden können.

Die Lehrperson sollte sich den hemmenden Faktoren bewusst sein und diese so weit wie möglich ausschalten. Zudem sollte sie vielfältige Methoden kennen, die die Kreativität fördern, zum Beispiel Spielregeln zur Improvisation oder Kreativitätstechniken (Der Artikel „Kreativitätstechniken“ bei Wikipedia1 führt eine Übersicht auf.) und diese für die Gruppe passend modellieren können. Grundsätzlich kann das Finden einer Idee über eine freie Suche (z.B. Improvisation) oder eine feste Aufgabenstellung unterschieden werden.2

Oberkapitel: Kreativität, weiterlesen: Kreativ sein in jedem Alter?

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1https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativit%C3%A4tstechniken [15.02.2019]

2Reinhard, A.: Kreativität. In: Bruhn, H.; Oerter, R.; Rösing, H. (Hrsg.): Musikpsychologie – Ein Handbuch, Reinbek, 1994, S.527