Im wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten mit Kunst und Musik umzugehen. Die eine ist eine Übertragung von einem Medium ins andere, es wird also vom Künstler etwas neues geschaffen, die andere ist der Dialog von bestehenden Werken, dabei erschaffen Künstler und/oder Publikum selbst nur die Hervorhebung bestimmter Asptekte, die aber Keimzelle für neue Kreativität sein kann.

Zur Übertragung gibt es fünf Wege:

Alte Brücke – Victor Hugo, 19. Jhd.

1) Reproduktion: Die Übertragung geschieht innerhalb eines Mediums, etwas wird „nachgeahmt“. So könnte beispielsweise Unterrichtsinhalt sein, die „Alte Brücke“ von Victor Hugo nachzumalen, wenn es im Unterricht um Licht und Schatten geht. Musikalische Reproduktion geschieht immer dann, wenn Lieder nachgesungen werden, Werke erlernt werden, usw.

2) Übersetzung: Übersetzung passiert zwischen zwei denotativen Systemen, das klassische Beispiel sind hier die Sprachen. Ein weiteres Beispiel wären Musikrätsel, bei denen die Buchstabennamen bestimmter Noten in ein Lückenwort eingefügt werden müssen, denn sowohl Notenschrift als auch alphabetische Schrift sind denotative Systeme.

3) Notation: Dabei wird von einem repräsentativen System in ein denotatives System übertragen. Neben der klassischen Notation in Notenschrift ist auch das mündliche Beschreiben denkbar oder eben in die andere Richtung das Ausführen von Notation in einem repräsentativen System.

4) metaphorische Übertragung: Das Übertragen zwischen zwei repräsentativen Systemen nennt sich metaphorisch. Hier werden, wie bereits für die repräsentative Funktion von Symbolen beschrieben, Aspekte, die beide Kunstwerke gemeinsam haben, genutzt. So könnten beispielsweise der flächige Hintergrund und die feinen Linien im Vordergrund von der „Alten Brücke“ metaphorisch in einen Klang übertragen werden.

5) Bezugnahme durch Kontext: Die Bezugnahme durch Kontext ist in allen Medien möglich. So könnte das Bild „Alte Brücke“ sowohl im Kontext „Eine Farbe“ als auch im Kontext „Gebäude und Architekten“ präsentiert werden, wodurch verschiedene Aspekte hervorgehoben werden. Hier zeigt sich auch, inwiefern die vorangegangenen Kategorien selbstverständlich auch zum Dialog von Werken genutzt werden können und nicht allumfassend sind.

Dieses Bild zeigt, wie sich die Übertragung zwischen Systemen in der Praxis anwenden lässt. In einem Projekt ging es hier um die Planeten von Gustav Holst. Zunächst wurde denotiert: Aus der traditionellen Notation (und wahrscheinlich auch dem Höreindruck) ist eine graphische entwickelt worden, die Aspekte mit dem Klang gemein hat (metaphorische Übertragung). In der Folge kommt es zu einer Bezugnahme durch den Kontext, in diesem Fall gesetzt durch den Titel des Musikstückes. Damit findet hier sowohl Übertragung (eigene graphische Notation schaffen) als auch Dialog (bestehendes Musikstück mit bestehenden Planetenbildern) statt.

Oberkapitel: Bildende Kunst in der EMP; weiterlesen: Dialog zwischen bestehenden Werken