Das Sprechen über die Kunst, die wir sehen, hören oder gerade gemacht haben, bezieht eine kognitive Ebene mit ein. Es erfordert wiederum eine Übertragung in ein anderes Symbolsystem. Das Sprechen über Musik und das Sprechen über die Bildende Kunst können dabei voneinander profitieren, indem der Wortschatz erweitert und in metaphorischen Bedeutungen genutzt wird. Dies kann auch der Übertragung von Bildern in Klang oder Musik in Gemaltes dienlich sein.

Brandstätter hat eine ausführliche Analyse gemacht, welche Begriffe in Musikanalyse und Kunstanalyse auf wissenschaftlicher Ebene übernommen wurden. So werden in der Kunstanalyse Begriffe wie Farbharmonie, Bildkomposition, Dynamik, Geschwindigkeit, Rhythmus, Mehrklang, etc. genutzt, in der Musik wiederum Begriffe wie Stabilität, Masse, Proportion, Punkt/Linie/Fläche, Spiegelung, (A-)Symmetrie, getupft, Enge, Vorder-/Hintergrund und vieles mehr. Worte, die weder aus der Kunst, noch aus der Musik stammen, wie fröhlich, warm, weich aus Emotion und Sinneswahrnehmung. Die Vergleiche sollten dabei nicht oberflächlich werden. Nicht jeder Begriff lässt sich übertragen und nicht jeder behält ganz genau seine Bedeutung bei. Einige sind fremder im anderen Feld, andere gewohnter. Auch Widerspruch durch Schüler/innen ist hier zu erwarten, der fordert, die Begriffe genau zu klären, was sie aus subjektiver Sicht von Schüler/in und Lehrkraft bedeuten und ob sie sich so wirklich übertragen lassen.

Für Schulkinder ist das Sprechen und Sprache lernen von großer Bedeutung. Ein vielfältiger Wortschatz ermöglicht, sich möglichst genau auszudrücken und komplizierte Sachverhalte, die mündlich oder schriftlich erklärt werden, zu verstehen. Mit Kindern, die bereits sicher lesen, wäre es zum Beispiel denkbar, bestimmte Begriffe entweder der Musik oder der Kunst zuzuordnen. Dabei sollte Zeit sein, um zu diskutieren und die Vorstellung von „lauten Farben“ oder ähnlichem zu demonstrieren. Die meisten Begriffe werden dabei beiden Kategorien zuzuordnen sein, allerdings haben sie ihren Ursprung in einer. Insbesondere „hell“ und „dunkel“ werden zum Beispiel oft ganz selbstverständlich in Verbindung mit Musik genutzt, sind aber eigentlich nur zu sehen, also Begriffe aus der Kunst/Sinneswahrnehmung Sehen. Ein spannendes Spiel könnte es sein, durch Zufall zwei Begriffe zu kombinieren und ein dazu passendes Kunstwerk oder Musikstück zu erschaffen.

Es erscheint sinnvoll, über Musik und Kunst zu sprechen, insbesondere wenn es im Kontext Schule meist auch um explizites, abfragbares Wissen geht. Allerdings kann das Sprechen auch zu viel sein, wie Reisinger beschreibt:

„Wer zu Musik gemalt hat, hat etwas erlebt und etwas hervorgebracht. Soll über das Erlebte und Hervorgebrachte nun auch noch gesprochen werden? […] Intensive Erlebnisse entziehen sich manchmal einer allzuschnellen sprachlichen Aufarbeitung, sie hinterlassen manchmal ein Gefühl von Sprachlosigkeit. In einem solchen Fall ist das Beharren auf einem Gespräch nach dem Malen zu Musik unangebracht. Aber auch da, wo Malende das Gefühl haben, durch das Malen ausgedrückt zu haben, was für sie auszudrücken war, ist keine Notwendigkeit für ein Gespräch. Dies setzt voraus, Malen als vollwertigen Ausdruck von Musik-Erleben anzuerkennen. […] Bei einem Gespräch nach dem Malen zu Musik lassen sich drei wesentliche Blickpunkte einnehmen: jener auf die malende Person, jener auf die gehörte Musik und jener auf das Malen bzw. das gemalte Bild.“ (Reisinger, S.154f)

Oberkapitel: Bildende Kunst in der EMP; weiterlesen: Quellenangaben