Über Geschmack kann man nicht streiten. Das mag wohl stimmen. Trotzdem kann man den Geschmack eines anderen kennenlernen.

Ich habe mit einem Freund ein Experiment gemacht: Weil ich doch sehr auf „klassische“ Musik fixiert bin, aber musikalisch auch mit Menschen zusammenarbeiten möchte, die nicht unbedingt Klassikfans sind, mache ich mich im Moment ganz langsam auf den Weg zu anderer Musik. Im Rahmen dieses Anliegens habe ich mit einem Freund, der absoluter Metal-Hörer ist, den Musikgeschmack getauscht. Eine Woche lang durfte ich nur Metal hören (Für mein Studium durfte ich Ausnahmen machen) und er nur Klassik (Er durfte für seine Bandprobe eine Ausnahme machen).

Dabei rausgekommen ist, dass wir beide viel zu wenig Zeit zum Musik hören hatten und dann in „Notfällen“ (bei Stress, beim Arbeiten) doch wieder „unsere“ Musik gehört haben, weil man sonst wirklich aggressiv wird. Allerdings finde ich die Idee trotzdem noch gut und werde das Metal Hören noch mal nachholen, wenn ich Zeit habe und mir dann einen neuen Geschmackstauschpartner suchen, um meinen musikalischen Horizont etwas zu erweitern.

Ich finde aber die Idee, sich mal mit der Lieblingsmusik von anderen zu beschäftigen gar nicht schlecht. Vielleicht sollte man das mal in Chören, Orchestern oder Schulklassen ausprobieren. Dann vielleicht anonym. Jeder könnte auf einen Zettel seine Lieblingsmusik (Stil, Band, Musiker, einen Song) schreiben und dann werden die Zettel gemischt, blind gezogen und jeder hört sich die gezogene Musik bis zum nächsten Treffen an und überlegt, was er an der Musik toll findet (Rhythmus, Darstellung des Stars, Instrumente, formaler Aufbau). Da es ja darum geht, was Neues in positiver Weise zu betrachten, sollte nur Positives genannt werden und nicht unbedingt Musik aufgeschrieben werden, die alle kennen (in einem Gospelchor keine Gospels, sondern das, was die Sänger sonst noch so hören).