Einmal schnell die Musikgeschichte zu überfliegen, ist eigentlich kaum möglich. Immer fehlt etwas, was ebenso wichtig ist und auf keinen Fall vergessen werden darf. Trotzdem will ich es einmal versuchen, damit wir sicher sein können, dass alle verstehen können, was das Neue an der Musik der Wiener Moderne war.

Seit ca. 1600, also dem Beginn der Barockzeit kannte man Dur und Moll als Tongeschlechter. Vorher hatte es die sogenannten Kirchentonarten (eigentlich Modi) gegeben, die nur aus den weißen Tasten des Klaviers gebildet wurden.

In der Klassik, also der Zeit von Mozart, Haydn und Beethoven, bekommt die Melodie eine tragende Rolle. Oft gibt es eine einfache Begleitung in der nur wenige Harmonien vorkommen. Die Melodien waren sehr sanglich und leicht wiederzuerkennen, auch wenn natürlich Ausnahmen die Regel bestätigen.

Das 19. Jahrhundert ist dann das Jahrhundert der Romantik. Die Harmonik wird immer mehr erweitert. Statt Dur- und Molldreiklängen gibt es nun auch immer mehr Vier- und Mehrklänge, die Spannung in die Musik bringen. Außerdem nimmt man auch Harmonien, die nicht so eng mit der Grundtonart verwandt sind und deshalb ebenfalls spannungsreich wirken.

Eine weitere „Erfindung“ der Romantik ist die Programmmusik: Komponisten lassen sich von einem außermusikalischen Thema inspirieren. Sie vertonen die Natur, Gedichte, Tagesabläufe, Erlebnisse, etc. Eines der berühmtesten Beispiele für Programmmusik ist zum Beispiel „Die Moldau“ von Bedrich Smetana, in der er den Lauf des Flusses Moldau vertont hat.

Unter diesen Vorbedingungen erhebt sich nun also kurz vor 1900 die Wiener Moderne. Mit ihr beginnt der Stilpluralismus, der bis heute in unserer Musik herrscht. Stilpluralismus bedeutet, dass nun verschiedene Stile gleichberechtigt nebeneinander existieren. Auch vorher gab es natürlich schon Kunst- und Volksmusik, aber diese waren eben nicht gleichberechtigt.

Heute wollen wir uns als Kunstmusik die Zweite Wiener Schule angucken. Eine Schule ist in diesem Falle kein Gebäude, sondern ein Gebilde von Lehrern und Schülern, die einen ähnlichen Kompositionsstil entwickelt haben. Die Erste Wiener Schule war schon zur Zeit der Vorklassik gewesen.1

Die Unterhaltungsmusik, die wir uns anschauen wollen, ist die sogenannte Schrammelmusik, die – wer hätte es erwartet – nach Herrn Schrammel benannt ist.

Und außerdem findet ihr in diesem Kapitel auch einen Abschnitt über die Wiener Operette, dem Luxus-Ereignis im Wien des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts.

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1http://magazin.klassik.com/lexikon/details.cfm?DID=2941&RecordID=1&letter=W [27.02.16; 19:29]