Die Schrammelmusik ist die Unterhaltungsmusik der Wiener Moderne. Sie ist benannt nach den Brüdern Johann und Josef Schrammel, die 1850 bzw. 1852 in der Nähe von Wien geboren wurden. Ihr Vater sorgte dafür, dass sie Musikunterricht erhielten. 1884 gründeten die beiden dann das Schrammelquartett, dass mit Wiener Volksliedern für Unterhaltung in den berühmten Kaffeehäusern sorgte.1 Die Kaffeehäuser im Wien der damaligen Zeit waren die kulturellen Zentren der Stadt: Dort wurden die neuesten Nachrichten ausgetauscht, Geschäfte abgeschlossen und Bücher studiert.2 Schnell war die Schrammelmusik auch bei Aristokratie und Großbürgertum beliebt und fand auch bei Arnold Schönberg Unterstützung.3 Insgesamt schrieben die Brüder Schrammel über 250 Werke.4

Auf dem nebenstehenden Bild seht ihr die typische Besetzung, die für Schrammelmusik gebraucht wird5:

Zwei Geigen

Eine Klarinette

eine Kontra- oder Schrammelgitarre: Die Schrammelgitarre hat einen zweiten Hals ohne Griffbrett, das bedeutet, dass die Saiten am zweiten Hals nur eine Tonhöhe haben, und diese Basssaiten werden gezupft (ähnlich wie bei einer Harfe) oder schwingen einfach nur mit den anderen Saiten mit und erzeugen dadurch einen volleren Klang.6

Eine Knopf- oder Schrammelharmonika kommt erst später dazu.7

Die Schrammelmusik wurde von den Menschen geliebt wie zwei Zitate aus Zeitungskritiken zeigen:

Die Schrammeln haben es verstanden, sich den Wienern in das Herz zu Geigen, wo sie erscheinen, da ist ihnen auch reichster Beifall gewiß.“

Die Schrammeln gehen mit ihren Tönen, die sie ihren Instrumenten entlocken, direkt auf unser Herz los und lassen vergessen, daß es einen Zinstag, einen Schneider und sonstige Sorgen gibt.“8

Und auch Johannes Brahms, der zu dieser Zeit gute 50 Jahre alt war, liebte offensichtlich die Schrammelmusik, wenn man dem Bericht von Alice Barbi glauben darf:

Nachdem die Schrammeln mehrere Wiener Lieder und Tänze gespielt hatten, stimmten sie auch ein amerikanisches Lied an, das damals in Wien volkstümlich war: „Ta-ra-ra-boom-de-ay“. Wurde die Silbe „boom“ gespielt, schlug man mit dem Spazierstock oder einem Bierglas auf dem Tisch den Takt dazu. An diesem Tag konnte ich sehen, daß auch Brahms mit überströmender Freude mit seinem Regenschirm den Takt schlug, wann immer das „boom“ ertönte. Ein Knabe mit einem grauen Bart.“9

Oberkapitel: Musik in der Wiener Moderne, weiterlesen: Die Wiener Operette

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1http://thalia.theaterservice.at/german/history.html [23.05.2015]

2https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Kaffeehaus [02.02.2017]

3http://www.schrammelmusik.com/schrammelmusik.html [23.05.2017]

4http://thalia.theaterservice.at/german/history.html [23.05.2015]

5Ebd.

6https://de.wikipedia.org/wiki/Kontragitarre [03.02.2017]

7https://de.wikipedia.org/wiki/Schrammelharmonika [03.02.2017]

8http://thalia.theaterservice.at/german/history.html [23.05.2015]

9Ebd.

Bildquellen: Brüder Schrammel: http://www.malat.co.at/malat_schrammeln.html [23.05.2015]

Schrammelquartett: http://thalia.theaterservice.at/german/history.html [23.05.2015]