Die Zeitangaben beziehen sich auf https://www.youtube.com/watch?v=1csEgERXOZs [25.06.2017]

02:06 hebräische Einleitung

Der Text bedeutet frei übersetzt: „Mein guter und sanfter Sohn, fürchte dich nicht und erschrick nicht.“ Bei dieser Einleitung wird Jachebeds Zugehörigkeitsgefühl zum israelitischen Volk und der hebräischen Sprache deutlich. Auch zeigt sie sie als Fremde, die eine (für die meisten Zuschauer) unverständliche Sprache spricht, so wie sich die Israeliten in Ägypten wohl fühlten: Als Fremde. Durch die Art, wie sie singt, wird aber auch ohne den Text zu verstehen, klar, dass sie ihren Sohn liebt, jedoch nicht fröhlich ist.

04:20 Vokalisengesang – Weinen

Jachebed singt das Thema I sehr laut und wie in Trance. Auf den Endtönen sind viele Verzierungen, die den Lauten des Weinens ähneln. Dadurch wird das Mitgefühl angesprochen und der Zuschauer versteht auch auf einer unbewussten Ebene die Trauer und Angst, die Jachebed als Mutter spürt.

04:30 Affenschranke

Durch die „Affenschranke“, die musikalisch durch eine Art „Hupen“ unterstützt wird, wird das Signal gesetzt, dass Mose nun für Jachebed nicht mehr erreichbar ist. Er wurde von seiner Mutter in Gottes Hand übergeben. Man kann den Ton aber auch wie eine Sirene als Warnton vor dem Bösen, das im Fluss lauert, deuten.

04:37 Krokodile

Nachdem das Thema I schon durch mehrere Instrumente und Perspektiven ging und sowieso schon in Vergesssenheit zu geraten droht, wird mit dem Beginn des „Korkodils-Themas“ auch noch der Endton vorenthalten. Ein Zurückkehren in die Tonika hätte ein zur Ruhe kommen bedeutet. So wird jedoch die Gefahr und Rastlosigkeit des Körbchens hörbar gemacht. Diese wird verstärkt, indem sich danach eine Sequenz immer höher „schraubt“.

04:58 majestätische Schiffe

Bei 04:57 ist nach einer Steigerung ein Höhepunkt erreicht, in Erwartung der Spannungsauflösung verstummt die Musik fast. Der Chor übernimmt nun einen rhythmischen Part und begleitet damit das Auftauchen der Schiffe. Dadurch erreicht Zimmer, dass die Schiffe größer und majestätischer wirken, als sie sind. Dies wird unterstützt durch die Kameraperspektive und zeigt die Wahrnehmung aus Sicht der kleinen Miriam am Ufer und aus der Sicht des kleinen Körbchens.

05:26-05:30 Steigerung

Die Steigerung durch drei aufsteigenden Töne in der Melodie erzeugt Spannung. Sie bezieht sich auf die Sprache, auf die beiden „He?!“ von Pharaonentochter und Miriam. Obwohl sie auf unterschiedlichen Seiten stehen, verbindet sie eine gemeinsame Angst, da die Pharaonentochter nicht weiß, was in dem Körbchen ist und Miriam nicht weiß, was mit Mose nun geschehen wird.

05:33 Sicherheit

Als die Tochter des Pharaos das Körbchen öffnet und Mose mit seinem kindlichen Charme sichtbar wird, hört man wieder das Thema I, die Melodie, die Jachebed Mose zu eigen gemacht hat. Dadurch ist sofort klar, dass es Mose trotz seiner gefährlichen Reise auf dem Fluss gut geht. Außerdem bringt Mose ein wenige der israelitischen Tradition (nämlich „sein“ Lied) mit in die Gemächer des Pharaos. Ein Hinweis darauf, dass sich dieser bald mit den Israeliten auseinandersetzen muss.

Oberkapitel: Der Prinz von Ägypten – Höranalyse