Nachdem Pythagoras und seine Anhänger mithilfe der Saitenteilung das Verhältnis von Tonhöhen untereinander exakt beschreiben konnte (siehe Obertonreihe), war es theoretisch möglich, Musik auch aufzuschreiben. Vielleicht hatten die Griechen deshalb die erste voll entwickelte und entzifferte Notenschrift.1

Lacht das Licht, Phainus, dir,

halte Kummer dir fern und Gram,

denn nur kurz ist des Lebens Frist,

ihren Tribut heischt gar bald die Zeit.2

So lautet die Übersetzung des Textes eines Liedes auf einer griechischen Grabsäule. Die Inschrift, die ihr rechts sehen könnt wurde 1883 entdeckt3. Die Umschrift auf heutige Musiknotation und eine Abschrift seht ihr darunter.

Seikilos-Stele3Wenn man schon weiß, wie die Zeichen in heutiger Notation aussehen, lässt sich leicht sehen, wie die griechische Notenschrift aufgebaut war.

Die Zeichen in der oberen Reihe zeigen, wie lang ein Ton ist. Wenn nichts über dem Tonhöhenzeichen steht, soll der Ton einfache Seikilos-Stele2LängeSeikilos-Stele1 haben. Das sind in der Übertragung Achtel. (Du weißt nicht mehr genau, wie das mit den Tonlängen war? Schau noch mal nach) Soll der Ton doppelt so lang sein, steht ein Strich über dem Zeichen. Der Haken mit dem Punkt ist dann dementsprechend die dreifache Länge.

In der Mitte stehen die Zeichen, die die Tonhöhe angeben. Auch hier ist das gut zu erkennen. Überall wo ein „Z“ steht, ist in der Übertragung ein e“. Für die Tonhöhe gab es übrigens zwei unterschiedliche Schriften: Für Vokalmusik wurde die ionische Schrift verwendet, für Instrumentalmusik eine Mischung aus ionischen und altdorischen Schriftzeichen.4

Das letzte was man für ein Lied braucht, der Text, steht wie bei uns unter den „Noten“.

Übrigens: Eine tolle Vertonung/Bearbeitung dieses Seikilos-Liedes gibt es vom Ensemble Rossi auf der CD Djingalla 2.

Oberkapitel: Die alten Griechen, weiterlesen: Die Klaviatur

________________________

1de.wikipedia.org/wiki/Notation_(Musik) [17.05.15; 17:08]

2Wörner, Karl Heinrich, Geschichte der Musik, 1975, S.58f

3Ebd.

4Ebd., S.54f

Quellen der Abbildungen von oben nach unten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Seikilos-Stele#/media/File:Seikilos2.tif [24.05.2015; 15:27]

http://de.wikipedia.org/wiki/Seikilos-Stele#/media/File:Seikilos.svg [24.05.2015; 15:28]

http://de.wikipedia.org/wiki/Seikilos-Stele#/media/File:Seikilos_score.png [24.05.2015; 15:29]