Liebe Menschen,

dies ist kein „Liebes-Tagebuch-Buch“, sondern ernst gemeint und dazu bestimmt, euch zu belehren.

Hiermit biete ich euch eine kleine Einführung in die Welt der Töne. Vielleicht kommt es euch komisch vor, ein Buch von einem Ton zu lesen, weil ihr uns nicht sehen könnt, aber auch Töne können Bücher schreiben, wie man an diesem Beispiel sieht.

Im Allgemeinen finde ich es sehr traurig, zu sehen, dass Forschungsergebnisse über Menschen unter den Tönen allgemein bekannt sind, aber nur wenige Menschen etwas über Töne wissen.

eine einzelne Note

Was ihr sehen könnt, sind Fotos von uns. Darauf nennt ihr uns Noten. Da ich vermute, dass ihr euch unter einer Note mehr vorstellen könnt als unter einem Ton, werde auch ich ab hier von Noten sprechen, auch wenn der Begriff nicht ganz korrekt ist. Ein Ton ist nämlich meist mehrmals auf einem Bild zu sehen. Fälschlicher Weise wird dann von den Menschen oft von Noten im Plural statt von einer Note gesprochen. [Anmerkung d. Hrsg.: Hier scheint Canta Bilé anzudeuten, dass in einer Notenzeile nur jeweils eine Note mehrmals zu sehen ist.] Die Linien sind, wie ihr hoffentlich wisst, erst später zur Hilfe für die Menschen eingeführt worden. [Anmerkung d. Hrsg.: Notenlinien entstanden um das Jahr 1000, siehe auch hier.] Der Notenschlüssel ist im wahren Leben eher als ein Gefühl der Note zu beschreiben, durch welches sie weiß, auf welcher Tonhöhe sie gerade klingt. Viel wichtiger ist für uns allerdings die relative Tonhöhe und das Verhältnis der Intervalle zwischen den Noten. Das ist allerdings sehr kompliziert und deshalb dazu erst später mehr.

Nun fragt ihr euch sicherlich, wie eine Note existieren kann, auch wenn man sie nur selten hört. Zu selten, wie ich finde, übrigens. Nun, schon in der Antike, so hat es mir meine Großmutter erzählt, wusste man, dass Noten die ganze Zeit in der Luft sind und natürlich auch im Vakuum. [Anmerkung d. Hrsg.: Canta Bilé bezieht sich hier mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Theorie der Sphärenmusik. Diese geht davon aus, dass durch die Bewegung der Planeten Schwingungen entstehen, die eine immerwährende Musik ergeben. Diese Melodie sei für den Menschen nicht wahrnehmbar, weil er sich daran gewöhnt habe und das Gehirn den Klang als Normalzustand wahrnehme.] Wenn ein Mensch nun beginnt zu singen oder ein Istrument zu spielen, so erwachen wir aus einem Ruhezustand, der dem Winterschlaf der Bären ähnelt. [Anmerkung d. Hrsg.: Noten scheinen durch Geräusche wie auch durch elektrisch erzeugte Klänge nicht geweckt zu werden, wie diese entstehen ist daher noch unklar, da die Theorie der Schallwellen im Allgemeinen wohl mit diesem Dokument als widerlegt betrachtet werden darf.] Eine Kraft, die wir Stringendo-Kraft nennen, treibt uns dann an, hoch und runter zu hüpfen. Dabei brauchen wir allerdings im Gegensatz zu den Menschen oder Tieren keine Plattformen oder ähnliches, auf denen wir landen können. Diese Tonwechsel wirken auf euch sehr schnell, für uns spielen sich aber während dieser Zeit ganze Dramen ab.

Nun habt ihr einen ersten Eindruck von mir und meiner Welt bekommen, so dass ich nun mit den „Aufzeichnungen meines Lebens“ beginnen.

Oberkapitel: Das Tagebuch der Note Cante Bilé, weiterlesen: frühe Kindheit