graphische Notation1Eine sehr freie Notationsart ist die graphische Notation. Hier seht ihr ein paar Beispiele dazu. Das Tolle an der graphischen Notation ist, dass man sie gut selbst nutzen kann und dabei so etwas wie „moderne Kunst“ schafft: Eine tolle Idee, um das genaue Hören zu schulen oder graphische Notation2einfach gemeinsam Spaß mit Musik zu haben (Gerade wenn man große Flächen und viel Farbe zur Verfügung hat).

AUFGABE: Musikstück graphisch notieren

Sucht für eure Gruppe eine sehr aussagekräftiges Musikstück aus (große Unterschiede in der Lautstärke, Abwechslung zwischen Solo und Tutti…) und organisiert Farben (Buntstifte/Acrylfarbe/etc.) und Papier oder anderes zum bemalen.graphische Notation3 Nun wird die Musik abgespielt und jeder malt seine Assoziationen. Dabei können zum Beispiel kurze Töne als Punkte, Läufe als Linien nach oben oder unten, Tuttistellen mit großen Zeichen dargestellt werden. Die Wahl der Farben kann die Stimmung des Stückes darstellen.

Es bietet sich wahrscheinlich an, das Stück erst einmal abzuspielen, ohne dass jemand malen darf und erst beim zweiten Spielen mit dem Malen zu beginnen, um schon vorab einen Eindruck der allgemeinen Stimmung des Stückes zu bekommen.

Alle Ergebnisse können dann zusammengetragen werden und ein ganz besonderes Kunstwerk ergeben (bspw. alle Papiere auf ein großes Plakat kleben), welches im Gruppenraum seinen Platz finden kann.

weitere Beispiele für graphisch notierte Werke:

Stripsody – Cathy Berbérian

Atmospheres – György Ligeti

Klänge über Linie – Dieter Scherf

Once on a Windy Night – R. Murray Schafer

Auch die typische Darstellung von Linien in verschiedenen Höhen, wie sie zum Beispiel in vielen YouTube-Darstellungen von Klaviermusik gebraucht wird, ist eine Art der graphischen Notation

BEISPIEL: Zeitungscollage

Für die Collage habe ich erst ein wenig Brainstorming auf einem Blatt Papier gemacht. Was für Möglichkeiten gibt es, mit Zeitung Geräusche zu machen und wie will ich daraus Musik machen? Das Arbeiten mit Zeitung bietet sehr viel Umsetzungsmöglichkeiten für die Arbeit mit Worten. Die Buchstaben sind verschieden groß, bieten verschiedene Farben und Formen. Dies kann für verschiedene Lautstärken und Sprechweisen stehen. Außerdem haben die verschiedenen Artikel eine unterschiedliche Sprache: Der Anzeigenmarkt „klingt“ ganz anders als die Reportage oder die Terminvorschau. Das alles kann zum experimentieren einladen. Auch Bilder bieten verschiedenste Möglichkeiten Dinge auszuschneiden und sich zu Formen inspirieren zu lassen. Ebenso können die Design-Elemente (Trennlinien, Pfeile, etc.) verwendet werden. Sie sehen teilweise Notation auch recht ähnlich, wenn man sie ausschneidet.

Mein kleines Experiment ist jetzt hier zu sehen. Ich habe eine klassische Notation gewählt, die von links nach rechts in zwei Zeilen zu lesen ist. Ich würde es vielleicht noch nicht als Komposition beschreiben, sondern erstmal als Versuch mit verschiedenen Ideen. Trotzdem habe ich es auch in Ton umgesetzt, damit verständlich ist, wie ich mir das denke. Dabei ist viel Sprache zum Einsatz gekommen, aber auch etwas Kleinpercussion. Wenn man die Umsetzung von graphischer Notation frei wählen lässt, ist es auch interessant, darüber neue Spielarten von Instrumenten zu entdecken.

 

AUFGABE: Komponieren in der Gruppe

Wie komponiert man möglichst wenig konventionell? Meine Freundin Carla und ich haben uns da was ausgedacht: Wir spielen Tenorsaxophon und Flöte und haben viel Spaß an den modernen Spieltechniken. Also haben wir auf kleine Kärtchen verschiedene „Aufgaben“ geschrieben: Spielweisen, kleine Melodien, graphische Notationen oder andere Aufträge. Diese Kärtchen haben wir gemischt, abwechselnd unsere Stimmen gezogen und in der gezogenen Reihenfolge aufgeklebt. Nun wird aus einem Zufallsprinzip noch nicht unbedingt ein musikalisch wertvolles Stück. Deshalb arbeiteten wir weiter, indem wir ein wenig nachmodellierten: Hier und da wurde sich zeitlich abgestimmt, Abschnitte länger oder kürzer gezogen, Lautstärke oder Tonhöhe nachträglich eingetragen und gemeinsame Atemzeichen festgelegt.

Da das Stück sehr überfrachtet ist von Special Effects, wirkte es aber zunächst noch sehr unverständlich. Dies haben wir gelöst, indem wir es in eine ABA-Form gegossen haben. Einmal gespielt, dann die Notation mündlich vorgetragen, dann noch einmal gespielt. Hier seht ihr meine Stimme, nachdem sie schon komplett bearbeitet ist und alle möglichen Notizen mit drin stehen.

Denkbar wäre dies zum Beispiel als Experiment für jeglichen Instrumentalunterricht: Zuerst macht es Spaß, auf die Kärtchen die lustigsten Anweisungen zu schreiben. Um den Schüler/innen Mut zu außergewöhnlichen Aktionen zu geben, kann man vorher diverse tolle Sachen einführen aus der Neuen Musik. Wir hatten zum Beispiel auch das Telekom-Motiv und Bewegungen drauf stehen – Man hofft dabei selbstverständlich, dass die andere diese Karte ziehen möge ;  ). Dann ist das ziehen und aufkleben eine spannende Aktion. Letztlich wirklich die Ziele des Instrumentalunterrichts trifft dann aber die Nachbearbeitung. Hier muss reflektiert werden, ab wann das, was man da komponiert hat, Musik ist und ästhetisch wertvoll. Die Entscheidungen müssen abgesprochen und begründet werden. Außerdem müssen die Schüler/innen alle veränderbaren Parameter (Dynamik, Tempo, Tonhöhe/Oktavlage, etc.) parat haben, um damit arbeiten zu können. Am besten wirkt es wohl, wenn das Musikstück in eine klassische Form gegossen wird, zum Beispiel ein Rondo, eine ABA-Form, etc. Auch dies kann Anlass sein, im Instrumentalunterricht verschiedene Formen kennenzulernen oder zu wiederholen. Das ganze braucht mit Sicherheit viel Zeit, aber erfahrungsgemäß macht es auch ebenso viel Spaß und kann für jede Altersgruppe mit ein wenig Anpassungen genutzt werden.

Oberkapitel: Andere Musiknotationen

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Bildquellen von oben nach unten: Duden, Basiswissen Schule – Musik, 2011, S.20, 36, 76